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Industrie 4.0: Fertigkeiten, Produktivität und Technologie

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Die Digitalisierung ist eine der wesentlichen Triebkräfte für Industrie 4.0, da sie Unternehmen Effizienzsteigerungen in sämtlichen Bereichen ermöglicht, von der Management- und Technologieberatung bis hin zu Lieferkettenstrategien und -lösungen. Dabei gibt es jedoch zweifelsohne noch viel ungenutztes Potenzial.

Das bedeutet nicht, dass die Unternehmen sich der Möglichkeiten, die Digitalisierung Ihnen bietet, nicht bewusst sind. Vielmehr neigen sie zu einem Flickenteppich von Lösungen, wobei sie isolierte Anwendungen zur unternehmensweiten Optimierung implementieren. Dies ist ein Indiz dafür, dass die Lücken in der Bereitstellung von Industrie 4.0 nicht auf technischer Ebene oder bei der eingesetzten Technologie bestehen, sondern bei den menschlichen Prozessen und auf der Managementebene.

Meiner Ansicht nach müssen Unternehmen an drei Punkten ansetzen, um diese Lücken bei der Bereitstellung von Industrie 4.0 zu schließen:

 

Die richtigen Grundlagen schaffen

Digitalisierung im Rahmen von Industrie 4.0 erfordert Geduld und ein solides Fundament. Das mag zwar nicht nach einer besonders reizvollen Strategie klingen und könnte auf der Führungsebene zunächst auf Vorbehalte stoßen, aber die Bedeutung eines solchen Fundaments darf nicht unterschätzt werden.

Es geht dabei um die Einrichtung von Prozessen, um Governance, Organisation und die Befähigung von Mitarbeitern rund um die zu digitalisierenden Funktionen. Die Digitalisierung von Prozessen und Funktionen ohne geeignete Unterstützung im Unternehmen kann Resultate liefern, doch ist das Potenzial mit einem umfassend durchdachten Konzept sehr viel größer.

Diese Erfahrung haben wir auch bei der Zusammenarbeit mit einem Chemieunternehmen gemacht, das eine Produktionsplanungslösung implementierte, die KI-fähig sein sollte. Die erforderlichen Tools waren eingesetzt und selbst für die Finanzierung aus einem Forschungs- und Entwicklungsfonds war gesorgt worden. Da es dem Unternehmen jedoch nicht gelungen war, seine Lösung an das Bedarfssignal anzuschließen, fehlten die zur Unterstützung des Systems erforderlichen Routinen, Prozesse, Kommunikationswege und Verantwortlichkeiten. Mit dem System, das am Ende viel Zeit und Geld kostete, konnte eine gewisse Kostenoptimierung in der Produktion erreicht werden, dennoch war das Unternehmen nicht in der Lage, eine sichere Versorgung seiner Kunden zu gewährleisten.

 

Prozesse und Produktion sind der Schlüssel zur Datenqualität

Man könnte leicht von der Fehlannahme ausgehen, dass es bei der Digitalisierung rein um Technik geht. Tatsächlich aber sind Organisation und Prozesse gleichermaßen ausschlaggebend. In vielen Unternehmen herrscht z. B. der Irrglaube, dass für eine gute Datenqualität lediglich ein System eingerichtet und mit Stammdaten angereichert werden muss. In Wirklichkeit spielen Produktions- und Arbeitsabläufe eine viel wichtigere Rolle. Es geht also nicht nur darum, dass die Daten vorhanden sind, sondern auch darum, zu definieren, welchen Nutzen sie haben, wie sie gespeichert werden und wie sie gepflegt werden müssen, um langfristig einen sauberen Zustand zu erhalten.

Mit einem unserer österreichischen Industriekunden erörterten wir erweiterte Planungslösungen mit zahlreichen digitalen Anwendungen, Datenanalyse und KI-Fähigkeit. Am Ende kamen wir jedoch immer wieder auf die mangelhafte Datenqualität zurück. Wir kamen zum Schluss, dass zunächst eine Vorprojektphase zur Bereinigung und Festlegung von Data-Governance-Prozessen notwendig sei und vertagten die ursprünglichen Projektziele. Dies zeigt, wie wichtig es in allen Industriezweigen ist, vor der Implementierung ausgeklügelter Systeme Prozesse einzurichten.

Den Mut haben, Ideen zu entwickeln

Wie bei allen neuen Technologien hängt der Erfolg der Digitalisierung im Rahmen von Industrie 4.0 davon ab, ob die Unternehmen mutig genug sind, bei der Realisierung von Anwendungsfällen eine Führungsrolle zu übernehmen. Zunächst ist damit zu rechnen, dass es sich um isolierte Anwendungen handelt.

Anstatt auf die nächste Killer-Anwendung „von der Stange“ zu warten, sind Sie gefragt. Stellen Sie eigene Gedankenspiele an und entwickeln Sie selber Anwendungsfälle mit Wertschöpfungspotenzial. Diejenigen Unternehmen, die Innovationen vorantreiben, die Lösungen entwickeln und sie in ihre Prozesse und Technologien integrieren, werden in den Genuss der Vorteile kommen.

Ein gutes Beispiel ist ein Unternehmen, mit dem wir zusammenarbeiteten, das Datenanalysen für die Betriebsdatenerfassung nutzte. Am Anfang ging es lediglich um die Erfassung von Daten, aber dann wurde auch das Bedienpersonal an Bord geholt und in das Projekt eingebunden. Das Unternehmen konnte daraufhin das gesamte Ökosystem bestehend aus Technologie, Prozessen und Mitarbeitern nutzen, wodurch sich ungeplante Ausfallzeiten an der optimierten Fertigungslinie innerhalb kurzer Zeit deutlich reduzierten.

 

Datenanalysen sind erfolgreich, die Blockchain zeigt Potenzial

Einige Industrie 4.0-Anwendungsfälle kommen in der Praxis stärker zum Einsatz als andere. Es gibt zahlreiche Beispiele für den Einsatz von Datenanalysen, da sie Unternehmen besonders auf der Nachfrageseite wichtige Einblicke liefern und damit für ein besseres Kundenverständnis sorgen.

eCommerce-Unternehmen beispielsweise können die Saisonabhängigkeit richtig einschätzen und ihren Daten Nachfragemuster entnehmen; damit erhöht sich die Genauigkeit ihrer Prognosen um 20 bis 30 Prozent und sie können ihren Kunden genau die Waren liefern, die sie zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigen.

Datenanalysen und künstliche Intelligenz liefern Anwendungsfälle, die bereits gut nachvollziehbar sind. Es kann zwar immer noch passieren, dass sich eine gläserne Decke in den Weg stellt, wenn es um die technische Machbarkeit geht, aber viele Unternehmen drängen vorwärts, weil sie damit umgehen können.

Bei den Blockchain-Lösungen ist dies noch nicht in gleichem Maße gegeben, aber wir erforschen das Potenzial dieser Technologie. Viele Unternehmen sind auf der Suche nach fertigen Killer-Applikationen, doch die aktuellen Blockchain-Lösungen bieten sich in dieser Hinsicht selten auf den ersten Blick an.

Bei diesen Anwendungsfällen ist in der Regel die Beteiligung einer größeren Anzahl von Parteien notwendig und sie zielen vor allem auf Transparenz, Sicherheit und Prozessautomatisierung ab. Daher erfordern sie mehr Geduld und Ausdauer und machen sich finanziell nicht so schnell bemerkbar.

Dennoch sehen wir diesbezüglich einige ermutigende Entwicklungen. Derzeit arbeiten wir mit einer Gruppe österreichischer Unternehmen an der Gründung einer Blockchain-Arbeitsgemeinschaft für den Transportsektor. Das Projekt zielt darauf ab, Transportunternehmen mit Industrieunternehmen zu vernetzen, um das Vertrauen und die „Single Source of Truth“ auszuschöpfen, die eine Blockchain für gemeinsam genutzte Dokumente erzeugen kann.

 

Übernehmen Sie bei der Digitalisierung die Führung

Die vierte industrielle Revolution steht unmittelbar bevor und Unternehmen, die mutig genug sind, bei der Bereitstellung von Prozessen und Anwendungsfällen eine Führungsrolle zu übernehmen, werden davon profitieren. Durch die Partnerschaft zwischen EY und Rockwell Automation stehen Unternehmen die Fertigkeiten, Produktivität und Technologie zur Verfügung, die sie benötigen, um Industrie 4.0 an vorderster Front mitzugestalten.


Christoph Pressleitner
Christoph Pressleitner
Senior Manager Advisory Services, Ernst & Young
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