Fünf Lektionen von der ersten Shared Smart Factory der Welt

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Um als Unternehmen den Durchbruch in der digitalen Wirtschaft zu schaffen, ist ein furchtloser und ideenreicher Ansatz nötig. Es zahlt sich aus, anders zu sein, und deshalb müssen Unternehmen darüber nachdenken, was sie tun können, um Grenzen zu überwinden und aus dem Schatten der Konkurrenz hervorzutreten.

Genau das haben wir bei Technologies Added versucht. Als Betreiber der weltweit ersten gemeinsam genutzten intelligenten Fabrik (Shared Smart Factory) haben wir kontinuierlich darauf geachtet, konventionelle Fertigungsmodelle in Frage zu stellen und einen kreativen Ansatz für den Betrieb unserer Fabrik zu finden.

Ein intelligenteres Modell

Im niederländischen Emmen haben wir Anfang 2017 die Fabriktore geöffnet. Das Besondere an unserer Fabrik ist das Kooperationsmodell: Wir beherbergen die Produktion mehrerer gleichgesinnter Unternehmen unter einem Dach. Damit bieten wir einer traditionell geschlossenen, proprietären Industrie ein WeWork-ähnliches Modell. Das heißt, die Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, können ein „schlüsselfertiges“ Produktionsmodell (das Produktionsäquivalent zu einer Raumbuchung auf Abonnementbasis) und gemeinsame Ressourcen nutzen und haben Zugang zu modernsten Technologien.

Das Modell ermöglicht unseren Kunden die schnelle Einrichtung konfigurierbarer Produktionslinien für eine „Massenanpassung“ – ein flexibler, hoch skalierbarer Prozess zur Markteinführung von Produkten. Die Fabrik setzt einen neuen Standard durch die von ihr bereitgestellten Fähigkeiten wie 3D-Modellierung, intelligente Robotik, digitale Zwillinge und datengesteuerte Fertigung, die unsere Kunden zum Experimentieren mit neuen Produktionsmodellen nutzen können.

Nach zwei Jahren haben wir nun 10 Unternehmen, die in der Fabrik produzieren (zusätzlich zu unseren eigenen Produktionslinien), und weitere 20 Unternehmen, die regelmäßig bei uns bestellen. Aus den Erfahrungen der letzten zwei Jahre habe ich einige wichtige Lehren gezogen, die anderen Herstellern helfen können, intelligentere Konzepte umzusetzen.

Lektion 1 – Flexibilität zum Vorteil nutzen

Bei Technologies Added nutzen wir eine modulare Architektur zur „flexiblen Montage“, die den gleichzeitigen Betrieb mehrerer Partner sowie schnelle Produktwechsel auf den Fertigungslinien ermöglicht. Sowohl Großunternehmen als auch Start-ups nutzen unsere Fabrik. Großunternehmen testen bei uns neue Linien (wobei sie einige der Probleme überwinden, die sie mit ihren alten Produktionsanlagen haben) und kleinere Unternehmen nutzen unsere Fabrik, um die Produktion von Gütern zu erhöhen, deren Marktnachfrage sie überprüft haben.

Lektion 2 – Den Status Quo in Frage stellen

Innovationsorientierte Unternehmen sollten immer nach Fehlannahmen sowohl in ihren eigenen als auch den Geschäftsmodellen ihrer Konkurrenten suchen und eingehend prüfen, ob Betriebsoptimierungen möglich sind. Zum Beispiel arbeiten wir bei Technologies Added mit einem etablierten Hersteller zusammen, der die Auslagerung einer neuen Produktionslinie in eine Niedriglohnfabrik in einem Entwicklungsland in Erwägung zog. Nach einer vollständigen Kostenanalyse stellte der Kunde überrascht fest, dass unsere intelligente Fabrik aufgrund der Möglichkeit, die Produktion auf Bestellung (und nicht auf Lagerbasis) durchzuführen, insgesamt die kosteneffizientere Option war.

Lektion 3 – Skaleneffekte zu Ihren Gunsten nutzen

Die digitale Transformation kann ein einzelnes Unternehmen vor Herausforderungen stellen, wenn es darum geht, z. B. die Kosten zu tragen, das technische Know-how zu finden, um die gesamte, in einer privaten Fabrik benötigte Technologie zusammenzustellen, und dann die notwendigen Kompetenzen aufzubauen, um ihre Effektivität zu maximieren.

Aus diesem Grund haben wir ein kooperatives Umfeld geschaffen, in dem kleinere Unternehmen Fähigkeiten erwerben können, die sonst außerhalb ihrer Reichweite liegen würden. Dies umfasst nicht nur die Produktionstechnologie innerhalb der Einrichtung, sondern auch die Unterstützung durch Experten in wichtigen Bereichen wie Produktionsdesign, Engineering, Logistik und Sicherheit.

Lektion 4 – Keine Angst vorm Experimentieren

Unternehmen haben heute den Vorteil, dass sie weitaus tiefer gehende Einblicke über die Marktnachfrage gewinnen und damit Nischen bedienen können, die früher übersehen worden wären. Mit dem von uns verwendeten „Produktinnovationsprozess“ können wir innerhalb eines kurzen Zeitrahmens (oft nur zwei Monate) und mit begrenzten Kosten Prototypen zur Industriereife bringen. Unsere Kunden können diesen Prozess nutzen, um Produkte schnell auf den Markt zu bringen und zuverlässig zu beurteilen, ob eine reale Geschäftsmöglichkeit besteht, bevor sie zur vollen Produktion übergehen.

Lektion 5 – Partner finden, die Lücken in Ihren eigenen Fähigkeiten füllen können

Kein Unternehmen kann in allen Bereichen ein Experte sein; Unternehmen, die heute besonders erfolgreich sind, bauen auf die Stärke ihrer Netzwerke. Aus diesem Grund integrieren wir das Manufacturing Execution System (MES) von Rockwell Automation in unsere Produktionsanlagen. Rockwell Automation hilft uns dabei, Automatisierungssoftware so einzusetzen, dass wir ein Höchstmaß an Innovation in der Fertigungsindustrie erreichen und diese Vorteile an die Unternehmen, die unsere Fabrik nutzen, weitergeben können.

Geteilter Erfolg

Da neue Technologien die traditionell hohen Barrieren für den Eintritt in die Produktion senken, müssen Unternehmen umdenken, wenn sie daraus Nutzen ziehen wollen. Die digitale Transformation ist eine gute Gelegenheit, um Schwachstellen in konventionellen Geschäftsmodellen anzugehen, an die sich die Konkurrenz bisher nicht herangetraut hat.

Mit unserer intelligenten Fabrik haben Unternehmen einen Partner an ihrer Seite, der ihnen dabei hilft, die Grenzen des Möglichen auszutesten. Dass wir damit so viel Erfolg erlebt haben, deutet darauf hin, dass mehrere Unternehmen gemeinsam stärker sind und dass offene, auf Kooperation basierende Netzwerke über geschlossene Systeme triumphieren werden. Wir freuen uns darauf, unsere Mission mit der Unterstützung von Rockwell Automation fortzusetzen.

Jedes Unternehmen geht bei der Digitalisierung seinen eigenen Weg und ein individueller Ansatz ist wichtig. Eine hilfreiche Erfahrung war für uns der Besuch des EMEA-Kompetenzzentrums für Connected Enterprise in Karlsruhe, wo wir eine Vielzahl von Technologien ausprobieren konnten und lernten, welche Vorteile uns The Connected Enterprise bieten kann.

Rob Goossens
Gepostet 6 April 2020 Von Rob Goossens, CEO, Technologies Added
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