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Schneller und smarter – ohne Over-Engineering

Meine Ingenieurslaufbahn begann in der Prozessindustrie mit der Entwicklung und Betreuung von Systemen rund um den Globus. Zu dieser Zeit war es angesichts älterer Automatisierungsinfrastrukturen üblich, verschiedene getrennte Systeme zu einer Gesamtlösung zusammenzusetzen. Einmal in Betrieb funktionierten diese Systeme zufriedenstellend und erfüllten die Aufgabe, für die sie entwickelt worden waren. Doch das Endprodukt litt unter unzähligen Verzögerungen und Over-Engineering im Hinblick auf Design, Auswahl und Inbetriebnahme. In den modernen Produktionsumgebungen von heute hätten wir dafür nur ein müdes Lächeln übrig.

Das Problem lag in der Vielfalt, genauer gesagt, der Anzahl von Lieferanten, Systemen und Protokollen. Für sich betrachtet boten sie häufig eine starke Leistung, versuchte man jedoch, sie zu kombinieren, wurde es schwierig. So hatte ich es regelmäßig mit Sicherheitssystemen zu tun, die mit der Programmierumgebung und Hardware des einen Anbieters und der SPS eines anderen ausgestattet waren, sodass ich zwei Jahre lang nur damit beschäftigt war, durch die Welt zu reisen, um Fehler zu beheben und die Kommunikation zwischen diesen beiden Systemen einzurichten.

Obwohl beide Systeme über Modbus betrieben wurden, waren ihre Setup-Routinen und Parameter vollkommen unterschiedlich. Selbst wenn diese Hürden bereits zu Beginn des Projekts gezielt angesprochen wurden, vergingen dennoch einige Monate, bis die Anlage vor Ort betriebsbereit war und die Probleme zutage traten. Im schlechtesten Fall war es so, dass ich von Houston in den USA nach Karachi in Pakistan reisen musste, um zwei miteinander verbundene Systeme zu entstören, deren Zähler unterschiedlich eingestellt waren – der eine auf eins und der andere auf null. Eine harmlose, kleine Abweichung, die aber allein reichte, um die gesamte Kommunikation lahmzulegen. Meine Aufgabe bestand darin, in dem einen Programm eine eins einzugeben und dann ins Flugzeug zu springen, um genau dasselbe Problem in einer anderen Anlage in einem anderen Land zu beheben.

Ich bin sehr dankbar, dass die Tage der Black-Box-Steuerungslösungen mit mehreren Sprachen und mehreren Protokollen der Vergangenheit angehören und ich bei meinen Kundenbesuchen nun die Bedienerfreundlichkeit und Einfachheit einer gemeinsamen Steuerungs-, Design- und Programmierumgebung hervorheben kann.

Heute sind wir in der Lage, die Automatisierung zu automatisieren, um die Engineering-Zeit für Maschinen- und Anlagensysteme – selbst maßgeschneiderte – zu kappen. Wir fanden schnell heraus, dass 80 % der Maschinencodierung auf die Automatisierung entfallen. Die verbleibenden 20 % geben Ihnen als Maschinenbauer die Möglichkeit, einen Mehrwert hinzuzufügen, indem Sie Leistungsmerkmale und Funktionalitäten einbinden, die Ihre Maschinen einzigartig machen.

Dank vorkonfigurierter Maschinenbauer-Bibliotheken und vorab erstelltem Anwendungscode wird eine große Bandbreite an Voreinstellungen abgedeckt und Ihnen ein großer Teil der Engineering-Arbeit abgenommen. Die an dieser Stelle eingesparte Zeit können Sie in den ‚Wow-Faktor‘ investieren. Es ist wie beim Hausbau: Wenn wir Ihnen Fundament und Grundmauern in einem modularen, leicht zu handhabenden, vorgefertigten Block liefern, haben Sie mehr Zeit für die Differenzierung und Ausgestaltung der Elemente, die Ihr Haus besonders machen. Mehr noch: Diese Basis liefert eine robuste Plattform für andere Wertschöpfungselemente wie (und an dieser Stelle springe ich zurück in die Welt des Maschinenbaus) vollständige Konnektivität und einfachere Skalierbarkeit, verbunden mit Echtzeit- und prädiktiver Analyse.

Gehemmt wird dies jedoch durch die Tatsache, dass sich die potenzielle Komplexität moderner Automatisierungs- und Prozesssysteme durch die Einführung smarter Geräte und IoT/Industrie 4.0-Lösungen vergrößern könnte, sofern die unterstützende Software nicht mit der Entwicklung Schritt hält. Die gute Nachricht ist: Die Software wurde entsprechend weiterentwickelt und der Design-Prozess ist so unkompliziert wie eh und je.

Ich könnte meine Ausführungen zu diesem Thema noch endlos fortsetzen, aber ich glaube eines ist bereits deutlich geworden: Steuerungs- und Prozesslösungen mit einer gemeinsamen Plattform und Umgebung sind die Zukunft und bilden die Basis für zahlreiche Abläufe bei Ihren Endkunden. Schauen Sie auf der SPS IPC Drives in Halle 9, Stand 205 vorbei! Sollten wir uns nicht persönlich treffen, freuen sich meine Kollegen, eine Führung über unseren Stand mit Ihnen zu machen. Gut möglich, dass dies der Beginn für Ihren nächsten großen Durchbruch sein wird.


Gunther Saelzer
Gunther Saelzer
Field Business Leader Architecture & Software, Germany, Rockwell Automation
Gunther Saelzer
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