Voll im Trend: Maschinen, die mitwachsen

Voll im Trend: Maschinen, die mitwachsen

Als Impulsgeber zeigte die interpack 2017 einmal mehr, dass die Nachfrage nach vernetzten und hochflexiblen Maschinen steigt.

18 prall gefüllte Messehallen, mehr Aussteller denn je, 170.500 Besucher – die diesjährige interpack diente einmal mehr als wichtiger Impulsgeber bei brandheißen Themen wie Industrie 4.0, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Flexibilität. Aus gutem Grund: Denn die Nachfrage nach vernetzten und hochflexiblen Maschinen, die bereit sind für unterschiedlichste Marktanforderungen, Stückzahlen und Formate, steigt enorm.

Bedarfsgesteuert Agieren lautet das Gebot der Stunde in produzierenden Betrieben, daran gab es kein vorbei auf der Interpack 2017. Einerseits verlangt die zunehmende Personalisierung von Produkten nach einer wirtschaftlichen Machbarkeit auch kleiner Losgrößen. Andererseits ist eine maximale Anpassungsfähigkeit gefragt. Denn im Zeitalter der Globalisierung ist nahezu alles möglich. So mag beispielsweise ein regionaler Nahversorger, der anfangs ausschließlich über den Ladentisch verkaufte, einige Jahre später schon landesweit oder gar international als Geheimtipp für eine bestimmte Warengruppe gelten. Dann benötigt er eine Fertigungslinie, die mit den steigenden Absatzzahlen mitwächst.

Modular erweiterbare Maschinen mit einer entsprechend ausbaufähigen und Industrie 4.0-fähigen Steuerungsarchitektur stehen demnach hoch im Kurs. In kleinen Betrieben und wachsenden Märkten vor allem auch deshalb, weil mit einem schrittweisen, bedarfsgerechten Systemausbau das benötigte Startkapital in Grenzen gehalten werden kann und generell, weil höchstmögliche Flexibilität nun einmal Trumpf ist unter verschärften Wettbewerbsbedingungen.

Damit steigen auch die Ansprüche an die Hersteller von Verpackungsmaschinen: Es gibt immer strengere gesetzliche Vorgaben in Sachen Sicherheit, Hygiene und Rückverfolgbarkeit. Die produzierenden Unternehmen selbst legen immensen Wert auf einen ressourcenschonenden Betrieb, auf Industrie 4.0-Tauglichkeit inklusive maßgeschneiderter Datenanalyse für gezielte Predictive Maintenance-Aktivitäten, auf ein einfaches Handling uvam. Und die Konsumenten lechzen nach einem Maximum an Individualität – denn 08/15 war gestern, heute sind zunehmend kleinere Füllmengen bis hin zu Einzelportionspackungen, personalisierte Aufdrucke oder intelligente Verpackungen, die mittels smarter Sensoren über den Frische-Grad eines Produkts Auskunft geben, gefragt. Alles in allem ein ziemlich breites Spektrum unterschiedlichster Erwartungshaltungen, das es möglichst aus einer Hand abzudecken gilt. Kein Wunder also, dass aktuell eine gewisse Konsolidierung auf Anbieterseite feststellbar ist. Firmen kaufen Firmen bzw. tun sich mit anderen Marktplayern zusammen, um gemeinsam durchgängige Gesamtlösungen anbieten zu können.

Die Innovationskraft der Verpackungsindustrie, wie sie deutlich auf der interpack 2017 spürbar war, steht kontinuierlich auf dem Prüfstand. Derzeit ist es vor allem die konsumentengetriebene Nachfrage bezüglich Produktivität, Flexibilität und Nachhaltigkeit, die den Ideenreichtum der Branche vorantreibt. Demzufolge war die bestmögliche Vermeidung von Abfall bei den zu verpackenden Produkten sowie bei den als Umhüllung genutzten Materialien genauso Thema an den interpack-Ständen wie der „Digitale Zwilling“, der sich mittlerweile bei nahezu jedem Maschinenbauer in irgendeiner Form wiederfindet. Egal, ob dieser in der Engineering-Phase, bei einer virtuellen Vorinbetriebnahme, für Schulungen oder für Servicezwecke genutzt wird – so ein digitales Abbild einer realen Anlage vermag in vielerlei Hinsicht wertvolle Dienste zu leisten.

Ein weiteres Thema, das bei der diesjährigen interpack besonders im Blickpunkt stand und das meiner Einschätzung nach spätestens in drei Jahren, also bei der nächsten Ausgabe der Düsseldorfer Leistungsschau, „State of the Art“ sein dürfte, ist eine intelligente Linearantriebstechnologie. Hardware wird dabei vermehrt durch einfache Software-Profile ersetzt, um einen Produktwechsel per Knopfdruck Realität werden zu lassen.

Eine Bewegungssteuerung im Sinne einer „Independent Cart Technology“, wie sie Systeme wie iTRAK oder MagneMotion verwenden, verzichtet auf herkömmliche Mechanik und baut stattdessen auf magnetisch angetriebene Förderwagen, die völlig unabhängig voneinander agieren können und somit ein Maximum an Flexibilität erlauben. Die Cama Group, die im Rahmen der interpack zum Gewinner des „Best Future Machine Awards“ gekürt wurde, nutzt ebenfalls das iTRAK-System von Rockwell Automation. Und das Urteil der u. a. mit Vertretern von Johnson & Johnson, Procter & Gamble, Kimberly Clark und Nestlé besetzten Fachjury lautete bei der Preisverleihung folgendermaßen: „Cama zeigt mit dem Top-Loading-Kartonaufrichter und -befüller IF318 Robotized Monoblock, wie ein integriertes, modulares Konzept äußerst flexibel arbeitet und eine große Bandbreite an Anwendungsmöglichkeiten abdeckt.“ Diese Bewertung erachte ich persönlich als Bestätigung, dass wir uns auf dem richtigen – weil zukunftsträchtigen – Weg befinden mit unserem Lösungsangebot und dass wir bereits jetzt bestens gerüstet sind für die Herausforderungen, die in nächster Zeit auf die Verpackungsindustrie und somit auch auf uns Automatisierungstechnikanbieter zukommen werden.

Der nächste Consumer-Trend, der sich am Prognose-Radar abzeichnet und der, da bin ich mir ziemlich sicher, ebenfalls in irgendeiner Form als Technologietreiber fungieren wird, ist der Online-Einkauf von Lebensmitteln. Die aktuellen Handelsdaten des EHI Retail Institutes machen bereits darauf aufmerksam: Was bis dato eher noch verpönt war, gewinnt still und heimlich zunehmend an Bedeutung. Ausgehend von einem Anstieg des Lebensmittelhandelsumsatzes von 175 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf 200 Milliarden Euro im Jahr 2020 wird in Deutschland im selben Zeitraum mit einem Anstieg des reinen Online-Geschäfts von derzeit 0,3 auf 10 Prozent gerechnet. Kein Wunder also, dass aktuell u. a. Amazon Fresh und Prime Now auf diesen Markt drängen. In den letzten zehn Jahren kontinuierlich nach oben bewegte sich auch die Umsatzkurve der zwei größten Schweizer Online-Shops für Lebensmittel Coop@home und LeShop.ch. Beide Unternehmen durften sich über „schöne“ Zuwachsraten freuen.   Wobei eine Konsumenten-Befragung in mehreren Ländern eindeutig belegte: Je höher die wöchentlichen Ausgaben für Lebensmittel sind, desto größer die Bereitschaft diese online zu kaufen. Unsere Aufgabe bei diesem Szenario ist es nun, mit vereinten Kräften dafür zu sorgen, dass die georderten Produkte heil, frisch und rückverfolgbar bei den Endkunden ankommen. Reden wir drüber!

Marcel Woiton
Veröffentlicht am June 13, 2017 von Marcel Woiton, EMEA Sales Director Northern Region, Rockwell Automation
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